Meine Biografie
Biografie Wolfgang Sacher

Online-Interview

Im Rahmen des Projekts „Sport schauen – Sport machen“ wurde ich von Schülern der Wirtschaftsschule Oberland e. V. in Weilheim per E-Mail interviewt.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihr Fahrrad ausgesucht?
Nach wichtigen technischen Faktoren, dafür weniger nach dem Aussehen. Bei mir ist zum Beispiel wichtig, dass ich mit höher Geschwindigkeit (ca. 40-50 km/h) freihändig fahren kann, um zu trinken. Deshalb darf das Rad nicht ins Schlingern kommen und muss ruhig bleiben. Ich teste deshalb jedes Rad bevor ich es kaufe.

Was haben Sie alles in Ihrem Leben schon erreicht?
Sehr viel, aber noch nicht wirklich alles! Mal sehen was noch kommt. Mit meinem neuen Hauptsponsor Nutridual, einem Nahrungsergänzungsmittel, möchte ich noch viele spannende Projekte erfolgreich abschließen.

Wie haben Sie die Sponsoren gefunden?
Sponsoren finden war und ist sehr schwer. Gerade im Behindertensport, weil das nach wie vor eine Randsportart ist. Lediglich im Rahmen von Paralympischen Spielen erfahren wir richtiges Medieninteresse. Ansonsten nicht. Die Firmen und Menschen die mich unterstützen, machen das, weil sie es gern machen und sich mit meiner Person identifizieren können. Nicht wegen Umsatzsteigerungen oder Gewinnmaximierung.

Haben Sie vor Ihrer Behinderung schon Sport gemacht?
Ja, ich habe sehr gut Fußball gespielt beim DJK Penzberg. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Wie sind Sie zum Radfahren gekommen?
Radsport ist die einzige Sportart bei der ich wenig Schmerzen habe. Durch die Amputation aller Zehen am rechten Fuß und der schweren Hautverpflanzungen am linken Fuß, kann ich nicht Wandern oder Laufen. Insofern bleiben nicht viele Sportarten übrig die man machen kann. Schwimmen gefällt mir nicht so. Über meinen Bruder Mario, der selbst begeisterter und erfolgreicher Rennradfahrer war, kam ich zum Radsport.

Was machen Sie neben dem Sport?
Neben dem Sport bin ich beruflich in der Gemeinde Schäftlarn als Kämmerer tätig. Ich kümmere mich da um die Finanzen. Seit Mai letzten Jahres bin ich auch noch in den Stadtrat der Stadt Penzberg gewählt worden. Es bleibt dann eigentlich nicht mehr viel Zeit. Die verbringe ich dann meistens mit meiner Familie oder mit Faullenzen.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit dem Radfahren?
Im Winter trainiere ich zehn bis 13 Stunden mit Training. Entweder auf dem Rad im Keller oder im Fitness-Studio. Im Sommer oder im Trainingslager werden es aber bis zu 35 Stunden in der Woche. Also fast soviel Zeit wie ich hauptberuflich als Kämmerer verbringe.

Treiben Sie noch andere Sportarten?
Nein. Dafür habe ich keine Zeit mehr.

Welche Nachteile haben Sie durch Ihre Behinderung?
Eigentlich keine. Ich kann zwar nicht mehr Bogenschießen, aber dafür habe ich sowieso keine Zeit. 🙂

Welche Vorteile haben Sie durch Ihre Behinderung?
50 % Kfz-Steuervergünstigung und einen Steuerfreibetrag in Höhe von 2.400 Euro im Jahr. Das ist eigentlich nichts.
Gesund sein ist besser.

Verdienen Sie Ihr Geld mit dem Radsport?
Seit letztem Jahr ein bisschen etwas. Größtenteils decke ich aber nur meine Unkosten. Im letzten Jahr habe ich für die Vorbereitungen auf Peking rund 45.000 Euro ausgegeben. Ich habe aber alles über Sponsoren wieder herein bekommen. Das ist eigentlich eine Ausnahme.


Ich habe einen Hauptsponsor der mich voll unterstützt und mir letzten Jahhr ein profihaftes Training (unter anderem  in Florida und Namibia) ermöglichte. Das ist das Unternehmer-Ehepaar Angela und Ernst-Otto von Drachenfels aus Penzberg. Das Ehepaar unterstützt mich weiter auf den Weg nach London 2012 zu den nächsten Paralympics.
Ich fahre deshalb für das Team Nutridual!

Machen Sie Werbung für den Sport?
Ja. Regional und überregional. Hauptsächlich über meine Leistungen bei Rennen mit und gegen gesunde Radsportler.
Zwei weitere Sportler habe ich zwischenzeitlich zum Radsport gebrcht. Chris Leiter aus Penzberg und Tino Käßner aus Murnau.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt und welche davon haben Sie schon erreicht?
Ziel war 2005 eigentlich nur einmal bei den Paralympics dabei zu sein. Dass alles für mich so positiv und erfolgreich für mich verläuft, hätte ich nie geglaubt. Insofern: alles erreicht!

Seit wann nehmen Sie an den Paralympics teil?
Peking waren für mich die ersten Paralympics. Obwohl ich mit 41 Jahren einer von den Älteren war.

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